19
Aug
2010

Mangaka werden in Landsberg

Ich habe die Homepage an einigen Stellen geupdatet. Schon alles Neue gefunden ;-)?

Wie versprochen kommt heute der Bericht über den Unterricht in Landsberg. Dieser Eintrag ist zwar nicht direkt aus der Serie “Wie werde ich Mangaka?” aber vielleicht können ja einige Anfänger ein paar Tipps für sich selbst ableiten.

Wie bereits erwähnt, war es mir wichtig, dass die Schüler nicht nur den Manga-Stil kennenlernen (wie zeichne ich große Augen und schöne flatternde Haare), sondern dass sie am Ende eine Beziehung zu dem haben, was in den sieben Tagen entstanden ist.
Trotzdem dachte ich mir, dass der Stil an sich eben eine Übungssache bleibt, bei der man auch alleine weit vorrankommen kann. Anders ist das beim Geschichtenschreiben, das für alle Schüler ja noch ein unbeschriebenes Blatt (im wahrsten Sinne des Wortes) war.

Also setze ich den Schwerpunkt auf die Ausarbeitung einer Hauptfigur, der Entwicklung einer Storyboards und das zeichnerische Vorgehen beim Geschichtenerzählen. Am Ende sollte jeder seine eigene Manga-Geschichte vorweisen können.

Bei Geschichten steht und fällt eigentlich alles mit gut ausgearbeiteten Figuren. Viele machen den Fehler und verlieren sich in den Setting-Ideen oder Klamottendesigns. Ich kene das von mir selbst. Viele Geschichten entstehen bei mir vor allem aus dem Wunsch heraus, ein bestimmtes Setting zu bearbeiten, z.B. eine Schlossruine, einen verwunschenen Wald o.Ä. … Viele Filme und Bücher leben ja auch von einem interessanten Setting. Was wäre Farry Potter ohne das verwunschene Hogwarts und die Schuluniformen? Oder was wäre Der Herr der Ringe ohne die fantasievollen Kostüme und das wunderbare Mittelerde? Nur halb so schön, richtig.
Aber NOCH wichtiger (meiner Meinung nach) sind die Figuren. Wenn ihr Figuren erschafft, die eure Lesern lieben, könnt ihr erstere auch in Lumpen durch ein nebliges Moor kriechen lassen und trotzdem verfolgen alle die Geschichte mit Spannung.
Andererseits kann auch gutes Setting langweilige Figuren nicht retten, wie die neuen Star Wars Filme so schön zeigen.

Meine Schüler, alles Mädchen nebenbei, sollten sich also eine eigene Figur ausdenken, die sie alle sieben Tage begleiten würde. Ausnahmslose alle erschufen sich eine weibliche Figur, was natürlich irgendwie logisch ist, denn das eigene Geschlecht kann man ja meist am besten nachvollziehen ;-). Mit den Ganzkörperansichten gab es natürlich so einige Probleme aber das sind Dinge (wie Hände und Füße) durch die sich Anfänger einfach viele Stunden quälen müssen, bis sie es drauf haben. Es gibt leider keine Abkürzungen und Tricks, nur Üben.

Die Hauptfigur-Namen, die sich ausgedacht wurden, waren alle leicht exotisch, da gab es “Tracy” und “Leyla” und “Selenai”. Ich musste irgendwie schmunzeln, weil ich als junges Mädchen meinen Hauptfiguren auch immer solche “coolen” Namen verpasst habe. Liegt vielleicht im Wesen von Kindern? Auf jeden Fall süß, tihi. Hier ein paar Beispiele:

Diese Figuren entstanden, nachdem wir ein bißchen über den Manga-Stil an sich geredet hatten, also wie was vereinfacht wird (aus Nasen werden dreieckige Schatten, Überbetonung der Augen und Wimpern, Vereinfachung der Münder). Es lief quasi so ab, dass ich realistische Gesichtsbestandteile an die Tafel gezeichnet habe und daraus dann den Manga-Stil abgeleitet habe. Ich halte es für wichtig, dass die Kinder wissen, woher diese Vereinfachungen kommen, anstatt bloß das Gesehene zu kopieren. Also z.B. den einzelnen gewölbten Strich über dem Manga-Auge als Lidfalte zu verstehen etc. …

Was mit großen Eifer angenommen wurde, waren die Gesichtsausdrücke, die ich sie ebenfals üben ließ. Mehrere Gesichter auf einem Blatt und jedes mit einem anderen Gefühl. Hier tauchten natürlich die guten alten Probleme auf, wie: “Meine Figur sieht auf jedem Bild anders aus!” oder “Jetzt muss ich ja gleich MEHRMALS diese super aufwändigen Haare zeichnen” und! “Ich bekomme das zweite Auge nie hin!” … Ja, da mussten sie durch *nostalgisches Lächeln* —

Ganz besonders einfrig waren sie bei den Gag-Gesichtsausdrücken. Da bietet Manga ja wirklich eine reichhaltige und irre witzige Auswahl. Denken wir nur an die aufgeklappten Münder, die bis übers Kinn gehen, die Schweißtropfen, die hervortretenden Adern beim Wütendsein oder die Tränenbäche. Das wurde alles mit extrem viel Begeisterung zu Papier gebracht, haha:

Ich liebe sie alle ^^! Und da die meisten Geschichten eh eine lustige Erzählung sein würden, erlaubte ich ihnen auch, diese Gag-Ausdrücke später zu benutzen. In ganz ernsten Geschichten ist sowas natürlich fehl am Platz.

Weiter ging es mit der Biogrphie der Hauptfigur, jedes Mädchen sollte einer bestimmten Eigenschaft folgen, also “cool” oder “sportlich”, damit die Schüler einen groben Orientierungspunkt hatten. Natürlich waren sie nicht doof und entrüsteten sich, dass richtige Menschen ja mehr als eine Eigenschaft haben. Aber gerade für Anfänger ist eine solche Vereinfachung hilfreich, um nicht schnell den Mut zu verlieren. Wer sich noch mehr für dieses Thema interessiert, kann sich ja meinen Zeichentipp auf Mangaka.de zu dem Thema anschauen:

Zeichentipp

Mir war es wichtig, dass sich die Haupteigenschaft der Figur auch in deren Biographie wiederfand. Ein Mädchen, dass unter dem Gesichtspunkt “sportlich” erschaffen wurde, sollte natürlich auch sportliche Dinge tun, z.B. Skateboard fahren.

Süß war auch zu sehen, dass jeder (natürlich) seine eigene Vorlieben miteinfließen ließ. Und so hatten wir Mädchen, die gerne einkaufen gehen, Mädchen, die total cool sind und von allen gemocht werden, Mädchen, die Skateboard fahren und Mädchen mit Schulproblemen. Meine Schüler waren ja alle noch recht jung aber es war irgendwie süß zu sehen, dass diese ganz einfachen Themen doch am meisten in ihren Köpfen herumspukten.

Nachdem ich sie also durch diese Biographie in Aufsatzform durchgescheucht hatte, ging es daran, den Plot zu entwickeln. Ursprünglich hatte ich geplant, nur eine Manga-Seite zeichnen zu lassen, weil ich nicht wusste, wie schnell die Kinder sein würden. Nach stürmischen Protesten konnte ich (happy darüber) natürlich nicht anders, als auch mehr Seiten zu erlauben. Hier zeigte sich bereits die angesprochene Arbeitswut. Das konnte ja heiter weiter :-D.

Mehr davon im nächsten Eintrag, schaut wieder vorbei!

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11
Aug
2010

Es reicht!

Ok, WIE schalte ich diese strunzdoofen gelben Smilies in Windows 7 Live Mail aus?! Immer wenn ich ein “;-)” oder ein “:-)” tippe, ersetzen sie es.

Sie nerven und sind hässlich.

Ja, ich habe schon gegoogelt. Will die außer mir niemand ausschalten??

Landsberg war eine großartige Erfahrung. Ich bin ja für jemanden eingesprungen, der zwei Wochen vor Beginn der Akademie abgesagt hat und wen erblicke ich da, als ich im (bereits gedruckten) Katalog herumblättere:

Oldscool-Girl! Aha!

Wie hätte sie wohl die 7 Tage gestaltet?

Ich habe besonders auf das eigentliche Manga-Zeichnen wert gelegt, nicht nut auf die Stilvermittlung. Meine Schüler haben tatsächlich alles fertig bekommen (weil sie so fleißig waren) und jeder konnte bereits am Freitag einen fertigen Manga mit 3 bis teilweise sogar 4 Seiten plus Farbcover präsentieren. Sie waren wirklich sehr fleißig und lernwillig …

So fleißig …

*fängt an zu heulen*

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28
Jan
2010

Mangaka GET!! Antwort auf einige Fragen

Folgende Frage(n) tauchten auf:

Vielleicht könntest du noch etwas genauer auf die Arbeit mit einem Redakteur eingehen (wie läuft die Kommunikation ab, wie wird Kritik gegeben), auf mögliche Konsequenzen bei (z.B. krankheitsbedingten) Verschiebungen der Deadline, und einen Exkurs was man auf keinen Fall tun sollte, wenn man Mangaka ist/werden möchte.

Es ist schwierig, einen genauen Abriss der Redakteurs-Arbeit zu geben, da Redakteure auch nur Menschen sind und daher auf unterschiedliche Dinge acht geben. Ich mache es eher so, dass ich bei Beginn einer Zusammenarbeit dem Redakteur sage, was ich möchte, z.B. “Bitte sei sehr streng, achte besonders auf den Lesefluss, da hapert’s bei mir”. Oder “Achte besonders auf meine Gesichter, ob sie schief sind”.
Redakteure sind ja meisten eher keine Zeichner und können euch so nur bedingt wirklich tiefgreifende Zeichen-Problematiken erläutern (dafür ist “Manga“ einfach noch nicht weit genug in Deutschland). Aber sie können euch eine sehr wichtige Perspektive geben, nämlich die des “normalen Lesers”. Da sie oftmals (im Idealfall!) objektiv beurteilen, was ihr ihnen vorsetzt (zusammen mit langjähriger Erfahrung im Verkauf) sind sie eine wichtige Hilfe für die “schneeblinden” Mangazeichner. Wie schon angesprochen passiert es bei langer Arbeit in einem Stil nämlich schnell, dass man sich Stil-Seltsamkeiten angewöhnt ;-).
Verschieben der Deadline ist, solange das Release nicht absolut in Stein gemeißelt ist ( ergo Veröffentlichung in einem monatlichen Magazin, Zusammenlegung mit einem Filmstart XD), nicht sooo das Problem aber ich persönlich bin da sehr streng zu mir und mache mir lieber rechtzeitig einen schaffbaren Arbeitsplan.
Bei „Versprich“, das ja in der Daisuki ist, hatte ich die feste Deadline 1. November und da die eben NICHT einfach verschiebbar ist (40 Seiten, die fehlen, kann man ja nicht einfach mit etwas anderem füllen), habe ich mir vorher Gedanken gemacht, wie lange ich wohl brauchen werden. Da flossen Überlegungen ein wie: „Ich will auf B4 zeichnen, das dauert sicher länger“ zu: „Ich will mich besonders anstrengen, das dauert sicher … länger XD“ usw. usf. —
Also habe ich zwei Monate Arbeitszeit eingeplant und das eben auch meiner Redakteurin gesagt. Und dadurch ergaben sich später auch keine Probleme, ich war rechtzeitig fertig.
Kein Redakteur wird euch im Krankheitsfall die Hölle heiß machen aber auch hier gilt, ehrlich währt am längsten ;-).

Was man auf keinen Fall tun sollte …? Hm … Also, manches versteht sich ja sicher von selbst aber … Ich würde nicht über den Verlag lästern zu dem ich gerne möchte, so etwas kann auch in einem privaten Gästebuch schnell ans Licht kommen. Bei den Mappensichtungen unhöflich oder pampig zu werden, kann auch schnell den Redakteur gegen euch aufbringen. Genauso schlimm ist aber dümmliches Geschleime Marke „Ihr seid sooo toll, ich kaufe alle eure Mangas!“, ich meine, hey, die Redakteure sind nicht doof.
Außerdem solltet ihr immer Deo benutzen, wenn ihr zu einer Mappensichtung geht!

Zu den anderen Fragen:

Was mich jetzt mal interessieren würde: Wie “schnell” sollte man denn in etwa zeichnen können, also bis zur komplett fertigen Seite?

Wie schon erwähnt gibt es da keine gemeingültige Antwort, da ihr vor dem Projektstart die Deadline mit dem Redakteur besprecht. Ich empfehle angehenden Mangazeichnern aber DRINGENST vorher schon mindestens mal 30 Seiten am Stück komplett getuscht/gerastert zu haben, einfach, damit iht ein Gefühl für eure eigene Geschwindigkeit bekommt. Ich z.B. schaffe ein Kapitel mit 24 Seiten im Monat, inklusive Storyboard. Allerdings zeichne ich auch hauptberuflich, heisst, den ganzen Tag und manchmal am Wochenende. Ich glaube, das ich nicht besonders schnell bin, hehe ^^;; … Leider gibt die Bezahlung eines Zeichners nicht immer her, das man sich so viel Zeit lässt. Je schneller man ist, desto besser ist natürlich das monatliche Einkommen. Das hängt auch sehr von eurer Lebensituation ab.

Ich habe aber auch schon gehört, dass ein Zeichner ein Jahr für einen Band Zeit bekommen hat.

Wegen der “Kritik von Fremden”. Es ist wirklich schwer, da einen Rat zu geben. Viele Leute sagen gerne mal schnell “Boah wie toll, das muss zu einem Verlag”, auch wenn sie dich nicht kennen. Besonders im persönlichen Gespräch sind Leute sehr euphorisch (eigene Erfahrung). Im Internet wiederum ist man gerne mal etwas strenger … Letztendlich sollte man sich, DENKE ICH, nicht zu sehr auf die Meinung verlagsfremder Leute, positiv oder negativ, verlassen. Am allerwichtigsten ist eure Einstellung zu eurem Werk, eure Einstellung zu anstrengender Arbeit und die Hürde Nummer 1: Die Meinung des Verlags. Wenn eurer Konzept einfach zu schwer zu vermarkten wäre, können es hundert Leute super finden, wichtiger sind mindestens 3000 Käufer im Buchladen. Das ist eine Welt, der nicht jeder stand hält :-/.

Zum Thema “Kann man davon leben”. Ja, man kann vom Mangazeichnen leben, wenn man den Vertrag so aushandelt und der Verlag fair zahlt. Ist aber nicht immer der Fall. Große Sprünge wie fünf Urlaube im Jahr, ein Auto und drei Kinder sind aber nicht drin ^^.

Noch eine Frage:

Und letzten Endes: Was wird denn von Seiten der Verlage überhaupt so nachgefragt? Einzel-Storys, oder bestehen Chancen für komplexe Geschichten wie Bleach oder so? Und natürlich wichtig: Welches Genre?

Geschichten über drei Bände werden einem absoluten Neuling eher nicht anvertraut werden. Das liegt aber nicht daran, dass Verlagsmenschen böse Trolle sind, sondern ergab sich aus einem gewissen Erfahrungswert bezüglich der Zuverlässigkeit mancher Zeichner. Viele Zeichner verschätzen sich in ihrem Durchhaltevermögen oder ihrem Schreibtalent oder so bricht manches Projekt einfach ein und der Verlag ist in Erklärungsnot oder hat sogar finanzielle Einbußen.
Aber einen Einzelband zu zeichnen ist ja keine Strafe oder unschaffbare Hürde. Und die lange epische Geschichte in der Schublade kann auch noch warten, die meisten Mangaka-Anwärter sind ja noch sehr jung. Eure Geschichte wird nicht schlechter dadurch ^^.

Die Frage nach dem Genre ist zurzeit nicht leicht zu beantworten. Ich persönlich fände es cool, wenn das Debut eine Story ist, die vielen Leuten gefällt und so dem Namen des Debutanten gleich einen positiven Klang verleiht. Das scheint aber vielen Leuten aus mehreren Gründen nicht zu passen: Der Masse (ergo vielen Leuten) zu gefallen, scheint für viele Leute ein rotes Tuch zu sein. Ironischerweise gibt es aber auch leider kein Konzept, wie man 100 %ig vielen Leuten gefällt ^^; (sonst würden wir das alle nutzen, haha). Boys Love zu zeichnen ist kein Erfolgsgarant, ebensowenig Shojo. Ich empfehle hier den Blick in die Kristallkugel, um den “Mangatrend 2011″ herauszubekommen und dann in diesem Genre sein Debut zu machen.
Genrell vertrete ich die Meinung, dass es sinnlos ist, auf bereits im Abklingen befindliche Trends aufzuspringen, gerade wären das wahrscheinlich Vampire :-/. Im schlimmsten Fall brandmarkt man dich als Nachahmer und Kopie. Ja, das ist traurig. Ich hatte so eine schöne Vampir-Kurzgeschichte …

Mega-Eintrag. Wenn es neue Fragen gibt, immer her damit!

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12
Jan
2010

Wie werde ich Mangaka?

Ich werde sehr oft gefragt, was man braucht, um „Mangaka zu werden“.

Ich möchte hier ein paar meiner Ansichten aufführen, die allerdings kein hundertprozentiger Wegweiser zum Erfolg sind. Sie sollen vielmehr zum Nachdenken anregen.

Bevor ich beginne, macht euch bitte klar, dass das MEINE Ansichten sind und nicht die Verlagsansichten. Ich schreibe aus der Perspektive eines Menschen, der schon so einige Mangageschichten gezeichnet hat, nicht aus der Sicht eines Verlagschefs. Ich werde aber versuchen, auch die Verlagsperspektive miteinzubeziehen.

Fangen wir also an, ja?

Der größte Stolperstein für die, die es bereits geschafft haben, und das Angebot für eine Veröffentlichung bekommen, scheint das Einhalten der Deadlines zu sein.

Da verzögern sich Termine um manchmal ein halbes Jahr oder der Zeichner lässt sich so viel Zeit, dass der Verlag sich sogar weigert, das Werk anzukündigen, bevor nicht das fertige Manuskript auf dem Tisch liegt. Das ist erstmal unangenehm für den Verlag, da eine Veröffentlichung auch sehr zeitgebunden sein kann (Trends können schnell out sein). Außerdem verlasst ihr so die Rolle des gleichgestellten „Partners“ für den Verlag, ihr werdet eher zum „Ärgernis“ und zu einem großen Unsicherheitsfaktor. Der Verlag wird sich zweimal überlegen, ob er euch nochmal eine Zusammenarbeit anbietet.
Viele unterschätzen auch den eigenen Stress und die psychische Belastung, die so ein „Kaugummi-Projekt“ bedeuten kann. Ihr tragt immer und ständig ein schlechtes Gewissen mit euch herum, seid oft übermüdet, weil ihr vielleicht versucht, schnell-schnell noch etwas zu reißen. Aber am schlimmsten sind dann die hingeschluderten (im schlimmsten Fall!) Zeichnungen, die euch jegliche Freude am Projekt nehmen. Und auch euren Leser ist es egal, unter welchen Umständen die Zeichnungen entstanden sind, sie wollen „euer Bestes“ sehen. Es ist also ein riesiger Rattenschwanz und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden.

Viele Leute schätzen sich vielleicht zuverlässiger ein, als sie sind oder sie waren noch nie in der Situation, unter Zeitdruck zu zeichnen. Deshalb schreibe ich hier ein paar Fragen auf, die jeder sich stellen kann, um sich in diesem Zusammenhang zu überprüfen. Hier muss man natürlich ehrlich zu sich selbst sein ;-).

Neigt ihr dazu, Aufgaben aufzuschieben? Habt ihr bereits in der Schulzeit viele Aufgaben „auf den letzten Drücker“ gemacht? Wie waren eure Arbeitsergebnisse, wenn ihr unter Stress ungeliebte Aufgaben erledigen musstet?

Natürlich kann man die Schulzeit nicht mit der Arbeitswelt vergleichen. Aber gewisse Neigungen kann man dort schon feststellen, wenn man einmal tief in sich geht. Das Argument „Aber am Zeichnen habe ich ja Spaß, an Mathehausaufgaben nicht!“ zählt leider nicht. Das erste, was ihr bei einer Verlagsarbeit lernen müsst, ist das der Spaß der Pflicht weicht. Natürlich hat man weiterhin Freude am Mangazeichnen aber durch den Abgabetermin funktioniert man eher, bis der Band abgeschlossen ist und ERST DANN kommt Freunde an der Bewältigung auf. Diese Freude kann man sich regelmäßig als Belohnung erarbeiten, wenn man kapitelweise vorgeht, also z.B. jeden Monat ein Kapitel vollständig abschließt. Manchen Leuten fällt das einfacher, als 180 Seiten zu skizzieren, 180 Seiten zu tuschen, 180 Seiten zu rastern etc. …

Wie geht ihr mit Kritik von euch fremden Personen um (Bekannte, Eltern und Freunde zählen nicht)? Blockt ihr sofort ab, fühlt euch persönlich angegriffen? Fällt es euch schwer, die Kritik objektiv zu betrachten?

Ebenfalls ein wichtiger Punkt. Niemand hört gerne Kritik, weil Lob die Seele streichelt. Wenn ihr mit einem Verlagsredakteur arbeitet, wird aber irgendwann immer der Punkt kommen, in dem man euch einen Ratschlag erteilt. Manchmal werden es Korrekturen an der Anatomie sein, manchmal müsst ihr inhaltliche Punkte verteidigen. Abgesehen, ob ihr die Kritik annehmt oder nicht, solltet ihr nie mauern und alles ablehnen, was vorgeschlagen wurde. Als Zeichner passiert es erschreckend leicht, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht und Seltsamkeiten in seinen Stil einbaut, die vielleicht eurem daran gewöhnten Auge nicht mehr auffallen aber dem Außenstehenden als „uneinheitlich“ (nicht mal unbedingt falsch!) auffallen. Natürlich gibt es viele Spielarten bei einem Stil aber ein geübtes Auge erkennt auch inkonsequente Bestandteile in einer Zeichnung bzw. einem Kapitel.
Ich möchte außerdem davor warnen, sich über direkte (und herbe) Kritik von Laien zu beschweren. Ihr könnt nicht von einem Schüler oder Büro-Azubi (beispielsweise ;-D) erwarten, dass er euch eine detaillierte, professionelle Kritik aus der Zeichnersicht auftischt. Ihr könntet ja auch nicht unbedingt Fehler beim Herdanschluss benennen, außer „Herdplatte geht nicht“, ne? Viele eurer Leser zeichnen nicht oder nur zum Spaß und sind keine Redakteure. Vergesst das nicht, wenn ihr nächstes Mal ein „die Gesichter sehen etwas seltsam aus“ vor den Latz geknallt bekommt und euch denkt „Kannst du nicht genau ausformulieren, was du meinst?“. Viele Laien können das eben nicht aber irgendwie merken sie eben die (oben angesprochene) Inkonsequenz in einem Stil, ohne sie direkt benennen zu können.

Auch hier gilt trotz allem natürlich „Der Ton macht die Musik“. Fiese Kommentare und Beleidigungen überliest man besser. Zurückgiften bringt es (online) eh nicht :-D. Macht trotz allem NIE den Fehler eurer Werk zu sehr mit euch als Person zu verbinden, auch wenn’s schwer fällt.

Mangaka, fight!

Wie hat euch dieser kleine Exkurs gefallen? Ich könnte mir vorstellen, einen weiteren Artikel zum Thema „Mangaka werden“ zu schreiben, vielleicht dann mit dem Themen Zeichnen an sich. Besteht daran oder an anderen Artikeln Interesse? Ich gebe gerne meine Meinung zu besten oder beantworte fragen, wenn gewünscht *grien* ….

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