Ich habe die Homepage an einigen Stellen geupdatet. Schon alles Neue gefunden ;-)?
Wie versprochen kommt heute der Bericht über den Unterricht in Landsberg. Dieser Eintrag ist zwar nicht direkt aus der Serie “Wie werde ich Mangaka?” aber vielleicht können ja einige Anfänger ein paar Tipps für sich selbst ableiten.
Wie bereits erwähnt, war es mir wichtig, dass die Schüler nicht nur den Manga-Stil kennenlernen (wie zeichne ich große Augen und schöne flatternde Haare), sondern dass sie am Ende eine Beziehung zu dem haben, was in den sieben Tagen entstanden ist.
Trotzdem dachte ich mir, dass der Stil an sich eben eine Übungssache bleibt, bei der man auch alleine weit vorrankommen kann. Anders ist das beim Geschichtenschreiben, das für alle Schüler ja noch ein unbeschriebenes Blatt (im wahrsten Sinne des Wortes) war.
Also setze ich den Schwerpunkt auf die Ausarbeitung einer Hauptfigur, der Entwicklung einer Storyboards und das zeichnerische Vorgehen beim Geschichtenerzählen. Am Ende sollte jeder seine eigene Manga-Geschichte vorweisen können.
Bei Geschichten steht und fällt eigentlich alles mit gut ausgearbeiteten Figuren. Viele machen den Fehler und verlieren sich in den Setting-Ideen oder Klamottendesigns. Ich kene das von mir selbst. Viele Geschichten entstehen bei mir vor allem aus dem Wunsch heraus, ein bestimmtes Setting zu bearbeiten, z.B. eine Schlossruine, einen verwunschenen Wald o.Ä. … Viele Filme und Bücher leben ja auch von einem interessanten Setting. Was wäre Farry Potter ohne das verwunschene Hogwarts und die Schuluniformen? Oder was wäre Der Herr der Ringe ohne die fantasievollen Kostüme und das wunderbare Mittelerde? Nur halb so schön, richtig.
Aber NOCH wichtiger (meiner Meinung nach) sind die Figuren. Wenn ihr Figuren erschafft, die eure Lesern lieben, könnt ihr erstere auch in Lumpen durch ein nebliges Moor kriechen lassen und trotzdem verfolgen alle die Geschichte mit Spannung.
Andererseits kann auch gutes Setting langweilige Figuren nicht retten, wie die neuen Star Wars Filme so schön zeigen.
Meine Schüler, alles Mädchen nebenbei, sollten sich also eine eigene Figur ausdenken, die sie alle sieben Tage begleiten würde. Ausnahmslose alle erschufen sich eine weibliche Figur, was natürlich irgendwie logisch ist, denn das eigene Geschlecht kann man ja meist am besten nachvollziehen ;-). Mit den Ganzkörperansichten gab es natürlich so einige Probleme aber das sind Dinge (wie Hände und Füße) durch die sich Anfänger einfach viele Stunden quälen müssen, bis sie es drauf haben. Es gibt leider keine Abkürzungen und Tricks, nur Üben.
Die Hauptfigur-Namen, die sich ausgedacht wurden, waren alle leicht exotisch, da gab es “Tracy” und “Leyla” und “Selenai”. Ich musste irgendwie schmunzeln, weil ich als junges Mädchen meinen Hauptfiguren auch immer solche “coolen” Namen verpasst habe. Liegt vielleicht im Wesen von Kindern? Auf jeden Fall süß, tihi. Hier ein paar Beispiele:
Diese Figuren entstanden, nachdem wir ein bißchen über den Manga-Stil an sich geredet hatten, also wie was vereinfacht wird (aus Nasen werden dreieckige Schatten, Überbetonung der Augen und Wimpern, Vereinfachung der Münder). Es lief quasi so ab, dass ich realistische Gesichtsbestandteile an die Tafel gezeichnet habe und daraus dann den Manga-Stil abgeleitet habe. Ich halte es für wichtig, dass die Kinder wissen, woher diese Vereinfachungen kommen, anstatt bloß das Gesehene zu kopieren. Also z.B. den einzelnen gewölbten Strich über dem Manga-Auge als Lidfalte zu verstehen etc. …
Was mit großen Eifer angenommen wurde, waren die Gesichtsausdrücke, die ich sie ebenfals üben ließ. Mehrere Gesichter auf einem Blatt und jedes mit einem anderen Gefühl. Hier tauchten natürlich die guten alten Probleme auf, wie: “Meine Figur sieht auf jedem Bild anders aus!” oder “Jetzt muss ich ja gleich MEHRMALS diese super aufwändigen Haare zeichnen” und! “Ich bekomme das zweite Auge nie hin!” … Ja, da mussten sie durch *nostalgisches Lächeln* —
Ganz besonders einfrig waren sie bei den Gag-Gesichtsausdrücken. Da bietet Manga ja wirklich eine reichhaltige und irre witzige Auswahl. Denken wir nur an die aufgeklappten Münder, die bis übers Kinn gehen, die Schweißtropfen, die hervortretenden Adern beim Wütendsein oder die Tränenbäche. Das wurde alles mit extrem viel Begeisterung zu Papier gebracht, haha:
Ich liebe sie alle ^^! Und da die meisten Geschichten eh eine lustige Erzählung sein würden, erlaubte ich ihnen auch, diese Gag-Ausdrücke später zu benutzen. In ganz ernsten Geschichten ist sowas natürlich fehl am Platz.
Weiter ging es mit der Biogrphie der Hauptfigur, jedes Mädchen sollte einer bestimmten Eigenschaft folgen, also “cool” oder “sportlich”, damit die Schüler einen groben Orientierungspunkt hatten. Natürlich waren sie nicht doof und entrüsteten sich, dass richtige Menschen ja mehr als eine Eigenschaft haben. Aber gerade für Anfänger ist eine solche Vereinfachung hilfreich, um nicht schnell den Mut zu verlieren. Wer sich noch mehr für dieses Thema interessiert, kann sich ja meinen Zeichentipp auf Mangaka.de zu dem Thema anschauen:
Mir war es wichtig, dass sich die Haupteigenschaft der Figur auch in deren Biographie wiederfand. Ein Mädchen, dass unter dem Gesichtspunkt “sportlich” erschaffen wurde, sollte natürlich auch sportliche Dinge tun, z.B. Skateboard fahren.
Süß war auch zu sehen, dass jeder (natürlich) seine eigene Vorlieben miteinfließen ließ. Und so hatten wir Mädchen, die gerne einkaufen gehen, Mädchen, die total cool sind und von allen gemocht werden, Mädchen, die Skateboard fahren und Mädchen mit Schulproblemen. Meine Schüler waren ja alle noch recht jung aber es war irgendwie süß zu sehen, dass diese ganz einfachen Themen doch am meisten in ihren Köpfen herumspukten.
Nachdem ich sie also durch diese Biographie in Aufsatzform durchgescheucht hatte, ging es daran, den Plot zu entwickeln. Ursprünglich hatte ich geplant, nur eine Manga-Seite zeichnen zu lassen, weil ich nicht wusste, wie schnell die Kinder sein würden. Nach stürmischen Protesten konnte ich (happy darüber) natürlich nicht anders, als auch mehr Seiten zu erlauben. Hier zeigte sich bereits die angesprochene Arbeitswut. Das konnte ja heiter weiter :-D.
Mehr davon im nächsten Eintrag, schaut wieder vorbei!
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