12
Jan
2010

Wie werde ich Mangaka?

Ich werde sehr oft gefragt, was man braucht, um „Mangaka zu werden“.

Ich möchte hier ein paar meiner Ansichten aufführen, die allerdings kein hundertprozentiger Wegweiser zum Erfolg sind. Sie sollen vielmehr zum Nachdenken anregen.

Bevor ich beginne, macht euch bitte klar, dass das MEINE Ansichten sind und nicht die Verlagsansichten. Ich schreibe aus der Perspektive eines Menschen, der schon so einige Mangageschichten gezeichnet hat, nicht aus der Sicht eines Verlagschefs. Ich werde aber versuchen, auch die Verlagsperspektive miteinzubeziehen.

Fangen wir also an, ja?

Der größte Stolperstein für die, die es bereits geschafft haben, und das Angebot für eine Veröffentlichung bekommen, scheint das Einhalten der Deadlines zu sein.

Da verzögern sich Termine um manchmal ein halbes Jahr oder der Zeichner lässt sich so viel Zeit, dass der Verlag sich sogar weigert, das Werk anzukündigen, bevor nicht das fertige Manuskript auf dem Tisch liegt. Das ist erstmal unangenehm für den Verlag, da eine Veröffentlichung auch sehr zeitgebunden sein kann (Trends können schnell out sein). Außerdem verlasst ihr so die Rolle des gleichgestellten „Partners“ für den Verlag, ihr werdet eher zum „Ärgernis“ und zu einem großen Unsicherheitsfaktor. Der Verlag wird sich zweimal überlegen, ob er euch nochmal eine Zusammenarbeit anbietet.
Viele unterschätzen auch den eigenen Stress und die psychische Belastung, die so ein „Kaugummi-Projekt“ bedeuten kann. Ihr tragt immer und ständig ein schlechtes Gewissen mit euch herum, seid oft übermüdet, weil ihr vielleicht versucht, schnell-schnell noch etwas zu reißen. Aber am schlimmsten sind dann die hingeschluderten (im schlimmsten Fall!) Zeichnungen, die euch jegliche Freude am Projekt nehmen. Und auch euren Leser ist es egal, unter welchen Umständen die Zeichnungen entstanden sind, sie wollen „euer Bestes“ sehen. Es ist also ein riesiger Rattenschwanz und sollte auf keinen Fall unterschätzt werden.

Viele Leute schätzen sich vielleicht zuverlässiger ein, als sie sind oder sie waren noch nie in der Situation, unter Zeitdruck zu zeichnen. Deshalb schreibe ich hier ein paar Fragen auf, die jeder sich stellen kann, um sich in diesem Zusammenhang zu überprüfen. Hier muss man natürlich ehrlich zu sich selbst sein ;-).

Neigt ihr dazu, Aufgaben aufzuschieben? Habt ihr bereits in der Schulzeit viele Aufgaben „auf den letzten Drücker“ gemacht? Wie waren eure Arbeitsergebnisse, wenn ihr unter Stress ungeliebte Aufgaben erledigen musstet?

Natürlich kann man die Schulzeit nicht mit der Arbeitswelt vergleichen. Aber gewisse Neigungen kann man dort schon feststellen, wenn man einmal tief in sich geht. Das Argument „Aber am Zeichnen habe ich ja Spaß, an Mathehausaufgaben nicht!“ zählt leider nicht. Das erste, was ihr bei einer Verlagsarbeit lernen müsst, ist das der Spaß der Pflicht weicht. Natürlich hat man weiterhin Freude am Mangazeichnen aber durch den Abgabetermin funktioniert man eher, bis der Band abgeschlossen ist und ERST DANN kommt Freunde an der Bewältigung auf. Diese Freude kann man sich regelmäßig als Belohnung erarbeiten, wenn man kapitelweise vorgeht, also z.B. jeden Monat ein Kapitel vollständig abschließt. Manchen Leuten fällt das einfacher, als 180 Seiten zu skizzieren, 180 Seiten zu tuschen, 180 Seiten zu rastern etc. …

Wie geht ihr mit Kritik von euch fremden Personen um (Bekannte, Eltern und Freunde zählen nicht)? Blockt ihr sofort ab, fühlt euch persönlich angegriffen? Fällt es euch schwer, die Kritik objektiv zu betrachten?

Ebenfalls ein wichtiger Punkt. Niemand hört gerne Kritik, weil Lob die Seele streichelt. Wenn ihr mit einem Verlagsredakteur arbeitet, wird aber irgendwann immer der Punkt kommen, in dem man euch einen Ratschlag erteilt. Manchmal werden es Korrekturen an der Anatomie sein, manchmal müsst ihr inhaltliche Punkte verteidigen. Abgesehen, ob ihr die Kritik annehmt oder nicht, solltet ihr nie mauern und alles ablehnen, was vorgeschlagen wurde. Als Zeichner passiert es erschreckend leicht, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sieht und Seltsamkeiten in seinen Stil einbaut, die vielleicht eurem daran gewöhnten Auge nicht mehr auffallen aber dem Außenstehenden als „uneinheitlich“ (nicht mal unbedingt falsch!) auffallen. Natürlich gibt es viele Spielarten bei einem Stil aber ein geübtes Auge erkennt auch inkonsequente Bestandteile in einer Zeichnung bzw. einem Kapitel.
Ich möchte außerdem davor warnen, sich über direkte (und herbe) Kritik von Laien zu beschweren. Ihr könnt nicht von einem Schüler oder Büro-Azubi (beispielsweise ;-D) erwarten, dass er euch eine detaillierte, professionelle Kritik aus der Zeichnersicht auftischt. Ihr könntet ja auch nicht unbedingt Fehler beim Herdanschluss benennen, außer „Herdplatte geht nicht“, ne? Viele eurer Leser zeichnen nicht oder nur zum Spaß und sind keine Redakteure. Vergesst das nicht, wenn ihr nächstes Mal ein „die Gesichter sehen etwas seltsam aus“ vor den Latz geknallt bekommt und euch denkt „Kannst du nicht genau ausformulieren, was du meinst?“. Viele Laien können das eben nicht aber irgendwie merken sie eben die (oben angesprochene) Inkonsequenz in einem Stil, ohne sie direkt benennen zu können.

Auch hier gilt trotz allem natürlich „Der Ton macht die Musik“. Fiese Kommentare und Beleidigungen überliest man besser. Zurückgiften bringt es (online) eh nicht :-D. Macht trotz allem NIE den Fehler eurer Werk zu sehr mit euch als Person zu verbinden, auch wenn’s schwer fällt.

Mangaka, fight!

Wie hat euch dieser kleine Exkurs gefallen? Ich könnte mir vorstellen, einen weiteren Artikel zum Thema „Mangaka werden“ zu schreiben, vielleicht dann mit dem Themen Zeichnen an sich. Besteht daran oder an anderen Artikeln Interesse? Ich gebe gerne meine Meinung zu besten oder beantworte fragen, wenn gewünscht *grien* ….

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7 Responses to “Wie werde ich Mangaka?”

  1. FeytheHunter says:

    Ein sehr guter Artikel. :) Ich würde es begrüßen mehr zu dem Thema lesen zu können, gerade von jemandem der für mehrere Auftraggeber und schon einmal eine Serie gezeichnet hat. Vielleicht könntest du noch etwas genauer auf die Arbeit mit einem Redakteur eingehen (wie läuft die Kommunikation ab, wie wird Kritik gegeben), auf mögliche Konsequenzen bei (z.B. krankheitsbedingten) Verschiebungen der Deadline, und einen Exkurs was man auf keinen Fall tun sollte, wenn man Mangaka ist/werden möchte.

    *löcher* XD

  2. David says:

    Du kannst das ja auch gerne beim Zeichner treffen alles er versammelten Manschaft und interessierten Besuchern erzählen so haben wir uns das auch gedacht.

    • Ink says:

      Leider fehlt mir oft einfach die Zeit für solche Treffen. Aber genau dafür sind ja Blogs da: Man schreibt, was man der Welt mitzuteilen hat aber zu einem selbstgewählten Zeitpunikt ;-D. Bei Interesse also einfach regelmässig vorbeischauen, das ist für beide Seiten am unkompliziertesten.

  3. O.G. Tob says:

    Ist echt sehr interessant zu lesen und spiegelt im Großen und Ganzen auch in etwa das wieder, was ich in den Untiefen des Internet bereits an Informationen aufgegabelt habe.

    Ich hab in den letzten anderhalb Jahren auch ein bisschen gezeichnet. Als Manga würde ich das jetzt nicht bezeichnen, aber mein stil geht stark in die Richtung.
    Angefangen habe ich mit nur einer Seite für meinen kleinen Bruder, letzten endes sind daraus jetzt etwa 150 Seiten geworden (Pilot-Story + 2 Kapitel).
    Ich muss sagen, es ist schon ganz schön aufwändig. Ich hab das so nebenbei gemacht neben meiner Ausbildung, in der ich ja auch ne ganz normale 40 Stunden Woche habe und natürlich auch noch viel drumherum zu tun habe.
    Was mich jetzt mal interessieren würde: Wie “schnell” sollte man denn in etwa zeichnen können, also bis zur komplett fertigen Seite?
    Da gibt es doch sicher Erfahrungswerte, die sich aus den Deadlines ergeben.
    Denn um mal ganz ehrlich zu sein: Ich glaube kaum, dass ich z.B. wie Oda, an die 20 seiten die Woche raushauen könnte. Klar, der hat sein Team und alles, aber der muss ja auch erst mal alles selbst zeichnen. Ich hab mal gelesen, dass er 3 Tage das Skript zeichnet und dann nochmal !3 Tage! um das Chapter dann in Reinform zu zeichnen. So schnell, so detailert zu zeichnen, … naja… das ist eben so ne Sache.

    Naja und zu der Kritik:
    Gerade heute hab ich die Story einem “größeren Publikum” mal vorstellen können. Darunter auch Manga-Fans, Leute, die mit Comics gar nichts am Hut haben und der Großteil von denen hat, so wie du es oben erwähnst, keinerlei persönliche Bindung zu mir.
    Mein Machwerk wurde positiv aufgenommen und da hieß es oft, dass ich das doch professionell machen sollte.

    Ich bin da aber skeptisch. Kann man mit sowas hierzulande sein täglich Brot verdienen. Und ich denke mir immer so, dass bestimmt auch die körperliche Belastung sicher nicht ohne ist.

    Und letzten Endes: Was wird denn von Seiten der Verlage überhaupt so nachgefragt? Einzel-Storys, oder bestehen Chancen für komplexe Geschichten wie Bleach oder so? Und natürlich wichtig: Welches Genre?

  4. Ink says:

    Hallo O.G.!

    Ich beantworte deine Fragen zusammen mit den anderen in einem neuen Post ;-).

  5. O.G. Tob says:

    Vielen Dank für die Ausführungen, ist echt alles sehr hilfreich.
    Momentan sind alle Klarheiten beseitigt, dann will ich dir mal keine kostbare Zeit weiter rauben.

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